Frühjahrsputz auf 2.731 Meter

Bild: Aufstieg zur Rauhekopfhütte. Die Route führt über den Gletscher zur Hütte (oben rechts). Foto Helmut Schgeiner
Zur Vorbereitung der Sommersaison auf der Rauhekopfhütte stand – wie alle Jahre wieder – Anfang Juni ein Arbeitsdienst an, um die Hütte nach der Winterpause wieder frisch zu machen. Nach vielen Jahren Tätigkeit im Vorstand war dies für mich eine willkommene Gelegenheit, nun endlich unserer am höchsten gelegenen Hütte einen überfälligen Besuch abzustatten.
Vortreffen im Gepatschhaus
Los ging es mit dem Vorabendtreffen der Freiwilligen auf dem Gepatschhaus im Kaunertal, wo uns bereits Stefan Ernst, der Hüttenwart der Rauhekopfhütte, erwartete. Stefan agiert in der Versorgungswoche wie der Dirigent eines vielschichtigen Orchesters, hat die komplexe Choreographie im Kopf und „freut“ sich natürlich über alles, was noch so an Unvorhergesehem passiert. Zusammen mit Stefan B., Dieter, Christian und Jutta stiegen wir dann frühmorgens bei bestem Frühsommerwetter vom Gepatschhaus aus über den Gletscher hoch zur Rauhekopfhütte, um die alte Dame aus dem Winterschlaf zu wecken.

Bild links: Die Rauhekopfhütte empfängt uns noch leicht eingeschneit. Foto Helmut Schgeiner. Bild rechts: Neuschnee am Tag der Versorgungsflüge – jetzt schippen wir erstmal Schnee und planen alles nochmal neu. Foto Helmut Schgeiner
Erfahrung ist gefragt
Oben angekommen, übernimmt Stefan B., langjähriger Sympathisant der Rauhekopfhütte und routiniert im Umgang mit allen Hüttendetails, die Koordination der anstehenden Arbeiten. Hüttenwart Stefan Ernst hält unten am Gepatschhaus die Stellung und kümmert sich um die anstehenden Materiallieferungen und Versorgungsflüge. Das Arbeitsprogramm für unser kleines Team ist umfangreich: die Wasserversorgung (und die WCs) zum Laufen bringen, Abwasser und ARA in Betrieb nehmen, Küche mit Geschirr und Regalen komplett durchputzen, die Lager herrichten, Winterschäden inspizieren und möglichst gleich reparieren, Außenanlagen für die Versorgungsflüge frei machen, und und und.
Neue Photovoltaik-Anlage für die Rauhekopdhütte
Da dieses Jahr besonders viele Arbeiten anstehen, zum Beispiel auch die komplette Erneuerung der in die Jahre gekommen Photovoltaik (PV)-Anlage, wurde die Vorbereitungswoche etwas vorverlegt, um mehr Zeit zu haben. Leider bringt das mit sich, dass die oberirdischen Leitungen der Wasserversorgung zum Teil noch eingefroren sind, was dem Technik-Team Stefan B., Dieter und Christian reichlich und unerwartet Arbeit beschert. Zudem meldet sich über Nacht der Winter noch kurz zurück mit 30 cm Neuschnee, und das am Tag der geplanten Versorgungsflüge. Für Stefan Ernst unten am Gepatschhaus bedeutet das kurzweilige Momente, um den Helikopter mit den ganzen Lieferungen spontan umzubuchen.

Bild links: Dieser Einsatz ist auch für den Schornsteinfeger etwas Besonderes. Foto Helmut Schgeiner. Bild rechts: Das Lager ist bereit. Foto Helmut Schgeiner
Ein eingespielte Team wird jetzt aktiv
Am Tag darauf geht es dann generalstabsmäßig in die Vollen: das Wetter passt, der Helikopter im Tal ist startklar, das Material ist flugfertig verpackt, und Stefan Ernst gibt das GO! Nicht zu glauben, wer und was nun so alles auf der Rauhekopfhütte einfliegt: Schornsteinfeger zum Check der Öfen und des Schornsteins, Servicetechniker für die Brandschutzanlage, Techniker für die schadhafte Zapfanlage (gefühlt an diesem Tage die wichtigsten Leute), ein achtköpfiger Montagetrupp für den einwöchigen Austausch der PV-Anlage, dazu kommt noch Stefan Weinbruch, seines Zeichens primär DAV-Alpinist und im restlichen Leben noch Professor an der Technischen Universität TU Darmstadt, der mit einem internationalen Team für ein Forschungsprojekt am Gletscher anrückt. Und daneben noch Baumaterial, die komplette neue PV-Anlage mit Montagewerkzeug und Schaltschrank, ein neuer Kühlschrank, eine Wäscheschleuder und natürlich Unmengen an Brennholz, Vorräten, Lebensmitteln und Getränken, nicht zu vergessen rund 40 Fässer Bier für die nun wieder laufende Zapfanlage.

Bild links: Maßarbeit des Helikopter-Piloten: Abladen direkt vor der Haustür. Foto Helmut Schgeiner. Bild rechts: Die Elemente der neuen PV-Anlage werden vorsichtig zwischengelagert. Foto Helmut Schgeiner
Gemeinsam mit der Vielzahl von Anwesenden läuft es nun wie geschmiert, die abgeladenen Big-Packs zu entleeren, die Ware schnell zu verräumen und die Ladungen für die Talflüge vorzubereiten. Zusammen mit den Schornsteinfegern fliege ich mit Jutta am Ende des Tages ausnahmsweise talwärts zurück zum Gepatschhaus, da aufgrund der Wetterlage von einem Abstieg über den mit Neuschnee bedeckten Gletscher dringend abgeraten wird. Unten erwartet uns schon unser Chefdirigent Stefan Ernst, der die Choreographie wieder blendend gemeistert hat. Das noch oben befindliche Team sortiert die nächsten Tage die Lager ein, forscht im Eis und montiert die PV-Anlage: letzteres ein spannendes Technik-Projekt, über das wir noch gesondert berichten werden.
Die Rauhekopfhütte ist bereit
Bis zum Saisonstart der Rauhekopfhütte am 20. Juni 2026 wird dann da oben alles funkeln, glänzen und einwandfrei funktionieren, da bin ich mir sicher.

Bild: Zurück am Gepatschhaus und Blick zurück zur Rauhekopfhütte. Foto Helmut Schgeiner
Vielen Dank
an die vielen freiwilligen Helfer, die uns so grandios beim Vorbereitungsdienst unterstützt haben. Die Rauhekopfhütte ist und bleibt ein ganz besonderer Ort mit unerreichbarem alpinen Flair und es macht mich glücklich, dass ich dieses Jahr mit dabei sein konnte. Einziges Manko: durch den Talflug habe ich das Anzapfen des ersten Fasses oben verpasst. Da gibt es also einen überzeugenden Grund, wiederzukommen.
Text und Fotos: Helmut Schgeiner
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Ihr wollt den Vorbereitungsdienst unterstützten?
Interessenten für eine Mitarbeit beim Vorbereitungsdienst wenden sich bitte direkt an Stefan Ernst, den Hüttenwart der Rauhekopfhütte.
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