Internationaler Paraclimbing Master 2019 in Imst

Am Wochenende des 29./30. Juni fand der Paraclimbing Master im Kletterzentrum Imst (AUT) statt. Es war der erste Paraclimbing Wettkampf für Tim Schaffrinna, der nach einer Hirnblutung mit halbseitiger Lähmung im letzten Jahr nun wieder auf Wettkämpfen - ab jetzt als Paraclimber - startet.

Wettkampfformat und Startklassen beim Paraclimbing

Das dt. Paraclimbingteam

Im Gegensatz zu den "normalen" Wettkämpfen gibt es beim Paraclimbing keine Altersklassen sondern verschiedene Klassen mit Einschränkungen bzw. Handycaps. Des Weiteren gibt es nur die Disziplin Lead, also Klettern am Seil, wobei alle Startklassen Toprope klettern. Ferner zählen nur gehaltene Griffe (Die Griffe werden von unten bis oben fortlaufend nummeriert). Bei "normalen" Wettkämpfen gibt es noch eine + Wertung, wenn man sich sichbar zum nächsten Griff bewegt, diesen aber nicht halten kann, z.B 23+. Derjenige Kletterer, der am höchsten kommt, hat die beste Platzierung. Auch beim Paraclimbing gibts pro Route ein Zeitlimit von 6 min, innerhalb dessen man die Route klettern muss. Folgende Startklassen gibt es beim Paraclimbing:

  • RP1, RP2, RP3 - neurologische Einschränkungen
    In diese Klassen fallen alle Paraclimber mit neurologischen Einschränkungen. Die Zahl gibt den Schweregrad der jeweiligen Einschränkungen an: 1 ist am schwersten betroffen - 3 am wenigsten (sieht man z.T. den Paraclimbern beim Klettern nicht an). Tim fällt zzt. in die Kategorie RP1.
  • B1, B2, B3 - visuelle Einschränkungen
    In diese Klassen fallen alle Paraclimber mit visuellen Einschränkungen. Die Paraclimber bekommen über Funk die nächsten Griffe/Bewegungen beim Klettern von einem Ansager (Kletterpartner) angesagt.
  • AU1, AU2 - Einschränkungen/Amputation im Bereich des Ober- bzw. Unterarmes.
    In diese Klassen fallen alle Paraclimber bei denen noch ein Stumpf (wenn vorhanden) des Ober-/Unterarmes vorhanden ist. Prothesen sind in dieser Klasse nicht erlaubt. Meist wird der Stumpf abgetaped, damit dieser mitbenutzt werden kann.
  • AL1, AL2 - Einschränkungen/Amputation im Bereich des Ober- bzw. Unterschenkels.
    In diese Klassen fallen alle Paraclimber bei denen noch ein Stumpf (wenn vorhanden) des Ober-/Unterschenkels vorhanden ist. Prothesen sind in dieser Klasse jedoch erlaubt.

Der Wettkampf - Int. Paraclimbing Master

Der Wettkampf fand bei sonnigem Wetter an der Außenanlage des Kletterzentrums Imst über zwei Tage statt. Am ersten Tag mussten drei Routen, am zweiten Tag zwei Routen geklettert werden, sodass jeder Paraclimber insgesamt fünf Routen klettern musste. Die Wertung jeder Route wurde in der Gesamtwertung addiert und daraus die Gewinner ermittelt.

Persönliches Erleben

Siegerehrung der Klasse RP1

Die Routen waren in meiner Klasse interessant geschraubt, sogar eine überhängende Route war dabei. Leider startete ich am ersten Tag etwas kalt in die erste Route, sodass in den folgenden Routen meine rechte Hand sich nur noch schwer öffnen ließ und ich nicht so weit kam, wie ich wollte. Dies verbesserte ich am zweiten Tag durch gründliches Aufwärmen, was sich in besserer Kontrolle der Hand und flüssigerem Klettern äußerte. Dieser Fehler wird mir auf der Paraclimbing-WM nicht passieren!

Dennoch bin ich sehr zufrieden mit meinem ersten Wettkampf, denn ich erreichte mit dem 9.Platz (von 12) gleich eine Top10 - Platzierung in meiner Klasse. Die Konkurrenz war aufgrund des breiten Spektrums an neurologischen Einschränkungen in dieser Klasse z.T. sehr stark. Ich weiß nun auch wo ich im Vergleich mit meinen Konkurrenten stehe, auch im Hinblick auf die WM in zwei Wochen, da die sehr guten Paraclimber auch an diesem Wettkampf teilnahmen.

Die Stimmung war super und sehr gemeinschaftlich, ich wurde von Athleten aus unterschiedlichen Nationen bzw. vom Paraclimbingteam angefeuert und habe dies ebenfalls getan. Das Konkurrenzdenken tritt beim Paraclimbing eher in den Hintergrund.

Es war für mich sehr schön, wieder an einem Wettkampf als Starter teilzunehmen - und das erstmals im nationalen Trikot, was mich besonders freute. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung, denn vor einem Jahr war das Klettern für mich noch unmöglich. Noch ein wenig Ausdauertraining und ich bin bereit für die Paraclimbing-WM in zwei Wochen in Briancon.

Text und Fotos: Tim Schaffrinna

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