Spurensuche Nationalsozialismus

Die Sektion in den 30ern unterwegs zum AV-Haus Oberreifenberg
Die Sektion in den 30ern unterwegs zum AV-Haus Oberreifenberg

Die Sektions-Projektgruppe "Spurensuche Nationalsozialismus" hat sich Ende 2019 gebildet. Seitdem recherchieren wir Schicksale früherer Mitglieder, die während der NS-Zeit als Jüdinnen und Juden verfolgt bzw. ermordet wurden. Wir gehen davon aus, dass das bis zu hundert Menschen gewesen sein könnten.

Jetzt bereiten wir eine Veröffentlichung der bisherigen Ergebnisse vor. Dafür bitten wir euch um eure Spenden! So könnt ihr dazu beitragen, dass dieses dunkle Kapitel der Sektionsgeschichte endlich erzählt werden kann.

 

Unsere Arbeit

Wir haben bisher viel Erschütterndes herausgefunden. Über Arthur Kutz zum Beispiel, den angesehenen jüdischen Arzt, der 1933 seinen Vorstandsposten in der Sektion räumen musste, weil der Verein mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten ein "judenreines" Leitungsgremium für besser hielt. Oder Ernst Meissinger: Er hatte als Student die Studentische Abteilung des Vereins mitaufgebaut und Wesentliches zur Nachwuchsarbeit beigetragen. Doch 1935 schloss die Sektion ihn aus, weil er eine jüdische Mutter hatte.

1939 musste Meissinger aber dann, weil die Nazis ihn als sogenannten "Mischling ersten Grades" einstuften, zur Wehrmacht. Er fiel 1940 in Frankreich, mit nur 30 Jahren. Schließlich Ilse Schönflies, geb. Eisenberg, die 1921 in die Sektion eingetreten war: Sie und ihre drei Kinder wurden 1944/45 in den Konzentrationslagern Auschwitz und Fürstengrube ermordet, ihr Ehemann vermutlich ebenfalls.

Das sind nur drei Beispiele, doch es gab zahlreiche weitere Mitglieder, die während des Nationalsozialismus ausgegrenzt, verfolgt bzw. ermordet wurden. Denn viele der bekannten Wissenschaftler, Juristen und Ärzte, die in den 20er und 30er Jahren zur Sektion Frankfurt am Main gehörten, waren Menschen jüdischer Religionszugehörigkeit. Sie trugen sehr viel zum hohen Ansehen des Vereins bei. In manchen Fällen konnten wir auch Kontakte zu ihren Nachfahren knüpfen, die für beide Seiten sehr bereichernd sind.  

Wir arbeiten außerdem daran, die unterschiedlichen Verstrickungen damaliger Funktionäre der Sektion in das nationalsozialistische Unterdrückungssystem offenzulegen - auch wenn das schwierig ist, denn es sind kaum noch Vereinsdokumente vorhanden. Wahrscheinlich schloss der Verein nicht alle jüdischen Mitglieder aus, doch zu Opfern der Diktatur wurden sie alle.

Wie ihr spenden könnt

Im Herbst wollen wir mit unseren Recherchen online gehen. Auf einer eigenen Website werden wir die Schicksale der Opfer und die Biografien relevanter Vereinsfunktionäre multimedial dokumentieren. Wir möchten außerdem der Frage „Was lernen wir daraus?“ nachgehen und andere ermutigen, ähnliche Projekte zu starten. Wir haben uns für eine digitale Präsentation entschieden, weil diese in Zukunft weiter wachsen kann und auch größere Reichweite erzielt als ein Printprodukt. Die Website wird als Projekt unseres Vereins klar erkennbar sein.

Mit der Entwicklung dieser digitalen Dokumentation wollen wir einen professionellen Webentwickler beauftragen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 4000 Euro. Auch wenn wir dafür Fördermittel bei Institutionen aus dem Sport- und Kulturbereich beantragt haben: Wir brauchen eure Hilfe. Denn Spenden aus der Mitgliedschaft sind ein starkes Signal, dass uns die Aufklärung über unsere Geschichte wichtig ist. Danke, dass ihr mitmacht!

Spendenstichwort (unbedingt angeben!):

Spurensuche

Spendenkonto der Sektion:

HypoVereinsbank
IBAN:  DE09 5032 0191 0004 5125 45
BIC:  HYVEDEMM430

Spendenbescheinigung:

Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt, deshalb wirkt eure Spende steuermindernd. Eine Spendenbescheinigung stellt die Geschäftsstelle ab einem Spendenbetrag  von 10,- Euro aus. Benötigt werden dazu zwingend euer Name und eure Postanschrift.

 

Mitmachen

Je mehr wir sind, desto mehr Spuren werden wir finden. Deshalb freuen wir uns jederzeit über weitere Engagierte.
Wenn du bei uns mitmachen möchtest oder Fragen bzw. Hinweise zum Projekt oder zu einzelnen Recherchen hast, schreibe uns:

spurensuche@dav-frankfurtmain.de

 

Weiterlesen

Wer mehr über uns wissen will, wird hier fündig:

Im Herbst 2019 haben wir zur Mitarbeit beim Projekt "Spurensuche" aufgerufen.

Ein Überblick über unsere Recherchen bis Herbst 2020 findet ihr hier: "Viele Namen, viele Opfer".

Am Beispiel Ernst Meissingers haben wir konkret beschrieben, wie wir arbeiten: "Das kurze Leben von Ernst Meissinger".